Desert Storm 2026        
Tag 8 - 26.04.2026

Dank der Lage des Hauses dicht an der Moschee können wir den Tag früh beginnen. Das Frühstück lässt wieder keinen Mangel an Kalorien erkennen. Lediglich der süße und stark gewürzte Kaffee (u.a. mit Zimt) ist für unsere Geschmäcker etwas gewöhnungsbedürftig. Die ganze Familie versammelt sich anschließend zur Verabschiedung. Die Motorräder durch das Gartentor zu bugsieren ist eine nicht ganz leichte Übung. Die gut gemeinte Unterstützung durch einen runden Stamm an einer Stufe geht im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los. Irgendwie klappt's dann aber doch noch und wir starten durch. An dieser Stelle sei Abdelmalek und der ganzen Familie noch einmal ganz herzlich gedankt für ihre überragende Gastfreundschaft.

Zweites Frühstück in Marokko
Zweites Frühstück in Marokko
Hier wäre noch Platz für ein paar Kurven.
Hier wäre noch Platz für ein paar Kurven.

Die außerordentlich gute Straße (die auf der Karte nur als Piste eingetragen ist) windet sich hoch in die Berge auf die Hochebene. Nun ist erst einmal Schluss mit den phantastischen Aussichten, dafür können ordentlich Kilometer abgeschrubbt werden. Wir wollen heute bis Figuig, um dann mal einen Tag Pause zu machen. Auf der RN17 geht es stundenlang geradeaus gen Süden durch topfebenes Gelände. Die Vegetation wird wieder karger. Als irgendwann im Dunst am Horizont wieder Berge auftauchen, steigt auch das Stimmungsthermometer. Parallel zur Temperatur.

Vor Tendrara dann der erste Checkpoint, an dem wir nicht durchgewunken werden. Unsere sorgsam ausgedruckten Fiches nutzen uns nichts, auch in Marokko ist man technisch auf aktuellem Stand. Die Nummernschilder werden mit dem Tablett fotografiert und Registrierung sowie persönliche Daten gleich online überprüft.

Knapp 100 km vor Figuig zweigt eine kleinere Straße gen Osten ab zur algerischen Grenze. Da wir besser vorangekommen sind als gedacht, könnten wir hier noch einen kleinen Umweg durch die Berge machen. Die obligatorische Polizeikontrolle an der Kreuzung winkt uns zwar wieder energisch durch, wir lassen uns aber nicht beirren und halten an. Nach dem üblichen Smalltalk (woher, wohin, wie gefällt Marokko, wie kalt ist es in Deutschland) erklären sie uns einen Weg durch die Berge, der bis auf eine kleine Ausnahme gut befahrbar sein soll. Wir wollen schon wieder aufbrechen, als noch die Frage nach dem ehemaligen Beruf kommt. Böse Falle, denn einer derer Beamten hat eine Frau, die in Casablanca als Elektroingenieurin bei eine Automobilzulieferer arbeitet. Die restliche Familien- und Karrieregeschichte der Frau erspare ich mir hier, wir kennen aber alle Einzelheiten.

Gegenverkehr bedeutet Schwätzchen halten.
Gegenverkehr bedeutet Schwätzchen halten.
Auch hier: Brücken sanierungsbeürftig.
Auch hier: Brücken sanierungsbeürftig.

Die vorgeschlagene Route erweist sich wieder als absoluter Glücksgriff, auch wenn man es mit der Wegbeschreibung nicht so ernst nehmen darf. Aus 4 km bis Abzweig werden dann schon mal 20 usw.. Die Straße führt hoch in die Berge und dann an einem Stausee entlang. Die Aussichten sind mal wieder unbeschreiblich. Schade, das so etwas auf Fotos nicht wirklich festzuhalten ist. Einzig fahrerisch ist die Strecke etwas unangenehm, da komplett mit Rollsplitt belegt. Auch hat es eine Furt weggerissen, die Umgehung im Sand und Geröll ist etwas tricky. Hier sieht man, was für eine ungeheure Kraft Wasser haben kann.

Weiter geht es direkt an der algerischen Grenze entlang, die hier durch einen Erdwall markiert ist. Immer wieder stehen Kontrollhäuschen und kleine Forts an der Grenze. Auf der andere Seite erheben sich majestätisch die Berge. Anhalten und ein paar Fotos machen ist hier sicher keine gute Idee.

Als wir wieder zur Hauptstraße kommen, gibt es den nächsten unfreiwilligen Stopp am Checkpoint. Und ein paar Kilometer weiter am Ortseingang von Figuig noch einen. Einmal Polizei, einmal Gendarmerie. Hier weis eine Behörde genauso wenig was die andere macht wie bei uns.

In Figuig gibt es noch zwei freie Unterkünfte. Eine Ferienwohnung mit Meerblick (das Meer sieht man tatsächlich auf den Fotos im Internet) und ein Riad in einem Palmenhain etwas außerhalb der Stadt. Wir entscheiden uns vorsichtshalber für letzteres und werden nicht enttäuscht. Die Leute sind super freundlich, das Essen nicht zu toppen: Die kaum zu schaffene Platte mit Gemüse und Reis entpuppt sich als Vorspeise, es kommt mal wieder ein Huhn in einer leckeren Soße mit vielen Oliven. Als Jürgen nach einem Plätzchen zum Wäschetrocknen fragt, wird ihm diese aus der Hand genommen und nach einer Geruchsprobe kurzerhand in die Waschmaschine geworfen. Morgen soll alles fertig sein. Da sieht man über technische Kleinigkeiten wie selbst zu reparierende Duschköpfe gerne hinweg.

Riad im Palmenhain
Riad im Palmenhain
Angekommen. Vor dem Umziehen kommt die Erfrischung.
Angekommen. Vor dem Umziehen kommt die Erfrischung.

Abends kommen noch drei Spanier mit Motorrädern, die erst einmal nach Bier fragen. Die Reaktion wäre in einer Kneipe bei uns auf die Frage nach Kamelmilch ähnlich ausgefallen. Und das, obwohl das Riad von einer Berberfamilie betrieben wird.

Nach Sonnenuntergang setzt draußen ein schönes Froschkonzert ein. Scheinen wohl ziemliche Nachtschwärmer zu sein. Und hoffentlich einschläfernd.

  Etappe Tag 8
Tagesetappe: 367 km   von Gafait
N34° 14.672'
W2° 22.219'
  nach Figuig
N32° 5.546'
W1° 13.794'
Gesamtstrecke: 2636 km
 
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