Desert Storm 2026        
Tag 16 - 04.05.2026

Im el-Badi-Palast
Im el-Badi-Palast

Kurz nach acht Uhr morgens werde ich durch Geschirrgeklapper unten in der Küche wach. Diese Welt soll jemand verstehen. Dabei hatte ich mir vorgenommen, die Damen etwas bei der Zubereitung des Kaffees zu unterstützen. Nachdem ich mich aufgerafft und die minimal notwendigen Dinge im Bad erledigt habe, ist die Katastrophe aber schon passiert: Der Kaffeeduft zieht nach oben.

Die anderen beiden lässt das völlig kalt. Offensichtlich führt jede Aktivität, die über 20000 Schritte hinausgeht, bei ihnen zur einem verstärktem Tiefschlafbedürfnis.

Heute ist Kultur angesagt. Nachdem wir gestern ausgiebigst die Medina erkundet haben, wollen wir uns heute ein paar Sehenswürdigkeiten außerhalb vornehmen. Als erstes steht der el-Badi-Palast auf dem Programm. Der Weg dorthin außerhalb der Stadtmauer zeichnet sich mal wieder durch ein typisches Merkmal aus: Baustelle. Durchgehend. Leider lässt es sich auch nicht ganz vermeiden, ein Stück des Weges durch die belebte Altstadt zu nehmen. Als wir durch das Tor treten, schießt ein Eselskarren in vollem Galopp quer. Ohne Kutscher, der rennt kurze Zeit später mit allem was geht hinterher. Autonomes Fahren ohne KI.

Es gibt auch grün im el-Badi-Palast.
Es gibt auch grün im el-Badi-Palast.
Wieviele Teile mag das Puzzle wohl gehabt haben?
Wieviele Teile mag das Puzzle wohl gehabt haben?

Auf die Idee mit dem el-Badi-Palast, einer der Hauptsehenswürdigkeiten in Marrakech, sind offensichtlich noch mehr Menschen gekommen. Neben der Schlange am Eingang werden wir gleich durch ein nicht zu übersehende Schilder gewarnt: Baustelle. Nun denn, jedes Haus muss mal renoviert werden. Und gekleckert wird dabei in diesem Land nicht.

Innen werden die Massen dann durch die Räume und Höfe kanalisiert. Mosaiken ohne Ende. Kein Wunder, dass die damals Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte gebraucht haben, um so einen Bau zu erstellen. Mit der Renovierung sieht das jetzt nicht besser aus.

Der nächste Programmpunkt soll kleiner ausfallen und kein Palast sein: Die Saadier-Gräber. Der Weg dorthin führt zwar nicht durch die Medina, ist aber ebenso wuselig wie dort. Nur mit zusätzlichem Autoverkehr.

Dort angekommen finden wir was vor? Richtig, Baustelle. Und natürlich jede Menge Leute, die durchgeschleust werden. Zugegebener Weise nicht ganz so viele, wie im Palast, trotzdem muss man an einer Stelle anstehen, um einen Blick in ein besonderes Mausoleum zu erhaschen.

Kaum zu glauben: Ein Moment ohne Verkehr.
Kaum zu glauben: Ein Moment ohne Verkehr.
Störche lieben den Überblick.
Störche lieben den Überblick.

Jetzt reicht es. Wir beschließen, den Rest des Tages völlig anders anzugehen. Da wir eine ganze Ecke weg von unserem Riad sind, wollen wir mal den ÖPNV der Stadt testen. Auf OpenStreetMap ist schnell eine Buslinie gefunden, die uns ganz in die Nähe unserer Unterkunft bringen kann.

Der Haken ist nur: An der Haltestelle fehlt genau diese Nummer. Muss nichts heißen, wir warten eine Weile, trauen dem Braten dann aber doch nicht mehr. Wir machen uns auf den Weg, die Linie abzulaufen, vielleicht sieht es an der nächsten Haltestelle besser aus. Nur leider gibt keine nächste Haltestelle. Immerhin kommen wir so auf einem ganz interessanten Weg zurück.

Außerhalb der Souks gibt es sie nämlich noch, die vielen kleinen Läden und Handwerker, die nicht den Touristen-Tinnef verkaufen, sondern das Alltagsleben dieser Stadt am Laufen halten. Und das quasi auf der Straße, der Platz in den Häusern reicht ja vorne und hinten nicht. Und so läuft man mal durch eine Schreinerei, schlängelt sich mal zwischen ausgebauten Motoren durch eine Autowerkstatt oder sucht einen Weg durch die Auslagen irgendeines Geschäfts. Immer die Balance suchend zwischen nicht zu tief hineinzugeraten (das ist dann meist eine Sackgasse) und dem Verkehr auf der Straße auszuweichen (dazu bleiben meist nur wenige Zentimeter).

Saadier-Gräber
Saadier-Gräber
Wer baut sich so ein Mausoleum?
Wer baut sich so ein Mausoleum?

Abends werden jetzt keine Experimente mehr gemacht. Das Menu du jour des neben dem Riad gelegenen kleinen Restaurants muss ausreichen. Morgen geht es wieder on the road. Geplant war über den Tizi N´Tichka über den Atlas zur "Straße der 1000 Kasbahs" und weiter zum Dades-Tal zu fahren. Heute lese ich, das der Pass aufgrund des Erdbebens immer noch eine 160km lange Baustelle ist. Wir werden das noch einmal beim Abendessen besprechen müssen. Travel the Moroccan way.

 

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