Desert Storm 2026        
Tag 23 - 11.05.2026

Gar nicht mehr so einfach, aufzustehen wenn sich der Wecker meldet. Wie muss es da Azaddins Bruder und seiner Familie ergangen sein? Eine durchschnittliche marokkanische Familie müsste sich doch jetzt erst in der ersten Tiefschlafphase befinden.

Aber pünktlich um sieben steht das Frühstück auf dem Tisch. Und was für eins. In diesem Haus ist alles XXL. Eine ganze Kanne Olivenöl steht neben einer Schale mit äußerst leckeren Plätzchen, zwei Eier für jeden und drei Pfannkuchen, Marmelade, so eine Art Nutella, Oliven, eine große Schale mit Obst, und und und. Das muss bis aufs Schiff reichen.

Das letzte Frühstück in Marokko
Das letzte Frühstück in Marokko
So etwas gibt es hier noch.
So etwas gibt es hier noch.

Dann große Verabschiedung. Auch wenn eine sinnvolle verbale Kommunikation nicht möglich ist, merkt man, das Azaddins Bruder sich doch über unseren Besuch gefreut hat. Ist ja auch sonst nichts los in dieser Gegend um diese Jahreszeit. Wann auch immer sich das ändern mag, denn im Sommer möchte ich hier nicht vor mich hin braten.

Die Abfahrt beginnt dann erst einmal mit einem ordentlichen Adrenalinstoß. Es heißt jetzt, rückwärts in der spitzen Kehre die richtige Abschussposition zu finden. Und dann mit Vollgas die Rampe hoch. Die Maschinen geben alles, die Kupplungen qualmen, alle Nachbarn sind wach, aber wir sind auch alle drei ohne Kollateralschaden oben.

Die anschließende Fahrt auf der Küstenstraße wandelt dann das Adrenalin komplett in Glückshormone um. Die Straße ist ein Traum in jeder Hinsicht, windet sich mit bestem Belag zwischen teilweise bizarr aufgefalteten Felsen und dem Meer dahin.Ein schöner Abschluss in diesem Land.

In Nador klappern wir dann erst einmal ein paar Tankstellen ab, bis wir eine finden, bei der wir mit Karte zahlen können. Unsere Dirham sind nämlich so gut wie alle. Einem Tankwart fällt sogar erst als der Sprit in den Tank rauscht ein, dass das gar nicht geht. Jetzt sind die letzten Dirham wirklich fast weg.

Hier kommt erst einmal keiner rein.
Hier kommt erst einmal keiner rein.
Hier beginnt Europa
Hier beginnt Europa

Zwischendurch fahren wir an den Grenzzaun zu Melilla. Fast wie früher die Besichtigung der Berliner Mauer, nur das die sich gegenüber diesem Bauwerk eher wie ein Jägerzaun ausnimmt. Auf der spanischen Seite der mindestens fünf Meter hohe zweireihige Zaun mit Natodraht oben drauf und Wachtürmen in regelmäßigen Abständen. Auf marokkanischer Seite ein breiter Streifen, der Furchen hat als wären sie mit einem gigantischen Pflug gezogen. Dazu überall Natodrahtrollen, an engen Stellen ist fast der gesamte Steifen damit überzogen. Und alle paar Meter ein Wachbunker oder Wachturm. Selbst auf der Straße davor alle 50m ein schwerbewaffneter Soldat. Die ganze Szene ist so unwirklich, dass man schnell wieder das Weite sucht.

Dann geht es zum Hafen. Die eigentliche Einfahrt ist nicht ganz einfach zu finden, aber die Eincheckprozedur wieder typisch marokkanisch relaxed. Ein Polizist steht an der Hafeneinfahrtund lässt erst einmal niemanden hinein. Er schickt uns in eine Straße mit Cafés, in der wir warten sollen. Die Gelegenheit, jetzt wirklich den letzten Dirham loszuwerden. Und schon mal die Bordkarten zu Fuß zu holen, das geht hier nämlich nicht im Vorbeifahren. Dort heißt es dann, wir sollen bis spätestens ein Uhr in den Hafen fahren. Bis drei Uhr geht gar nichts, dann werden die ersten hinein gelassen und wir brechen auch auf. Es folgen mindestens fünf Kontrollen plus Zoll, für Autos noch ein paar mehr. Um viertel nach vier sind wir an Bord. Abfahren sollte das Schiff um vier, tatsächlich wird daraus halb sieben. Wir sind immer noch in dem Land ohne Uhren.

Aber auf dem Weg nach Europa.

Warten á la marocain
Warten á la marocain
Etappe Tag 23  
Tagesetappe: 115 km   von Oulad Amghar
N35° 15.393'
W3° 38.984'
  nach Nador
N35° 16.215'
W2° 55.543'
Gesamtstrecke: 5274 km
 
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