Marrakech
Was tut es doch gut, mal so richtig auszuschlafen. Und wo kann man das am besten tun? Genau, in der Großstadt. Zumal sich hier vor dem späten Vormittag eh nichts tut. Für 8 Uhr war das Frühstück bestellt, kurz vor neun klopfen zwei Damen bepackt mit Einkaufstüten und machen sich in der Küche zu schaffen. Das Frühstück fällt dann üblich marokkanisch aus, leider auch mit dem marokkanischen Gewürzkaffee. Zum Glück gibt es grundsätzlich auch immer Tee. Eine gute Sitte. Als die Damen wieder gehen, machen sie uns noch klar, dass das morgen aber nicht so früh geht.
Wir beschließen, uns etwas von dieser Gelassenheit anzueignen und einfach einen Tag länger zu bleiben. Unser Vermieter (der nur über eine französische Telefonnummer zu erreichen ist) hat vollstes Verständnis, und im Laufe des Tages werden wir uns auch über den Preis einig.
Heute wollen wir erst einmal eine Stadtführung mitmachen. Über FREETOUR findet sich tatsächlich für den Nachmittag noch ein Guide. Bis dahin bleibt also genug Zeit, die Stadt erst einmal ein wenig auf sich einwirken zu lassen.
Und was macht man als erste in Marrakech? Natürlich, man geht zum Djemaa el-Fna. Das Riad liegt etwas außerhalb der Medina, der Platz genau auf der gegenüberliegenden Seite. Gut 2 km durch die Souks, genau die richte Navigationsübung zum Start.
Der Platz an sich ist gegen Mittag noch recht ruhig. Wir schauen uns das Treiben von einem Café aus an und erholen unsere Ohren anschließend in einem Park neben der Koutoubia-Moschee.
Ganz in der Nähe ist auuch der vereinbarte Treffpunkt mit dem Guide. Natürlich ist von dem zur vereinbarten Zeit nichts zu sehen. (Ganz wichtige Bemerkung bei der Buchung: Zehn Minuten eher da sein.) Sein Name ist Rashid, genau wie der von einer anderen sich hier versammelnden Gruppe. Wir werden barsch zurückgewiesen. Macht nichts, deren Rashid spricht eh nur französisch.
Unser Rashid kommt aber auch irgendwann, und ein junges amerikanische Pärchen gesellt sich auch noch dazu. Und nach einer weiteren Viertelstunde noch ein Panamese. In Lateinamerika nimmt man das mit der Gelassenheit wohl noch genauer.
Rashid erklärt uns einiges zur Moschee und führt uns dann in die Altstdt. Beides ist getrennt durch eine stark befahrene mehrspurige Straße, und Rashid zeigt uns, wie man so etwas nach der Ulrich-Wickert-Methode überwindet: Weder nach links oder rechts gucken und einfach drauf los laufen. Es funktioniert tatsächlich, wir kommen ohne Verluste auf der anderen Seite an.
Der Rest der Führung gestaltet sich wie erwartet: Es wechselt immer eine Sehenswürdigkeit mit einem Laden. Wobei die Ladenbesitzer immer eine kleine Einführung in die Besonderheiten ihres Sortiments geben, aber tatsächlich nicht zum Kauf drängen. Nur als ein Kaffeeverkäufer uns nach der Einweisung in die Geheimnisse der Gewürzkaffezubereitung eine Probe aufdrängen will, hagelt es unsererseits Protest. Der Ami ist gerade erst in Marokko angekommen und wagt den Versuch, seine Mine passt nicht wirklich zu seinen lobenden Worten. Seine Frau versteckt sich hinter ihm, der Panamese ist gerade gar nicht mehr zu sehen.
Nach der Führung, die immerhin zweieinhalb Stunden dauert, ist es auch bald Zeit, ans Abendessen zu denken. Wir gehen etwas aus der Altstadt heraus und finden an einer Straßenkreuzung ein kleines Restaurant mit schattigen Plätzen auf dem Bürgersteig. Von hier aus lässt sich wunderbar das Treiben auf der Straße beobachten und die Verkehrsregeln analysierten. Ein Beispiel: Links abbiegen mit dem Moped von einer kleinen Straße auf eine mehrspurige Hauptverkehrsstraße. Geht ganz einfach, man fährt einfach sofort ganz links gegen strömenden Verkehr und fädelt sich dann durch jede sich ergebende Lücke Stück für Stück auf die rechte Seite. Klappt umso besser, je mehr Personen sich auf dem Moped befinden, am besten bei Familien mit drei oder vier Personen.
Irgendwann wird es aber doch Zeit, "nach Hause" zu gehen. Die Querung der Altstadt dauert nun trotz mittlerweile vorhandener Ortskenntnisse eine Weile länger. Es ist ungleich voller als am Mittag. Im Riad angekommen, bereue ich ein wenig, dass ich im Restaurant beim Salat nicht widerstehen konnte. Ernsthafte Folgen bleiben aber aus. Vielleicht hat die halbe Flasche Harissa, die ich über das Essen gekippt habe, ja doch etwas Gutes bewirkt.
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