Das Frühstück fällt gewohnt marokkanisch aus. Nur beim Kaffee hat hier wohl jeder ganz eigene Vorstellungen. Heute gibt es heiße Milch, in die einfach Nescafé geschüttet wird. Wir bevorzugen den Tee.
Es dauert eine Weile, bis wir alles zusammengerafft und aufgesattelt haben. Dazu müssen natürlich die Maschinen erst einmal wieder aus der Garage gepult werden. Dann große Verabschiedung: die obligatorischen Fotos und Selfies, Ratschläge, Wegbeschreibungen und was so alles dazugehört. Dann geht's los.
Für heute haben wir uns nicht viel vorgenommen. Wir wollen nach Merzouga, zum Erg Chebbi, ein wenig im Sand spielen. Vielleicht nicht unbedingt mit den Motorrädern. Mal sehen, was sich so ergibt.
Der nächste Ort ist Meski. Ich traue meinen Augen nicht, als ich gleich am Ortseingang den Wegweiser zum Campingplatz an der Blauen Quelle sehe. Erika und ich haben hier vor über 40 Jahren relaxed. Also kurzerhand den Anker geworfen und abgebogen.
Die Zufahrt zum Platz führt auf glatt polierten Steinen hinunter ins Tal. Das sparen wir uns, gibt es oben einen Parkplatz. Natürlich kommt sofort der Besitzer des gegenüberliegenden Cafés, und natürlich bietet er sich als Führer an. Wir trinken erst einmal den obligatorischen Tee, dann gesellt sich eine ältere deutsche Dame dazu, die ein paar Monate in Marokko ausspannen will und sich hier einquartiert hat. Dann kommt sogar noch ein französisches Pärchen mit dem Motorrad, das wir bereits auf der Fähre gesehen haben.
Irgendwann brechen wir alle unter ortskundiger Führung zur Quelle auf. Nun soll man sich natürlich vor den Erwartungen hüten, die sich aus der Erinnerung ergeben. Damals wurde der Platz fast ganztägig mit Harfenmusik von Andreas Vollenweider beschallt, was dem Platz eine ganz besondere Atmosphäre gegeben hat. So etwas geht heute nicht mehr. Dafür toben heute jede Menge Kinder in dem mittlerweile vergrößerten Schwimmbecken herum. Gut so. Ansonsten hat sich tatsächlich nicht allzu viel verändert.
Bei der Verabschiedung zeigt sich, dass der "Führer" und die ältere Damen wohl ein gut eingespieltes Team sind, was die Verhandlungen über die Höhe des Bakschisch angeht. Wir nehmen es gelassen, es sei den Leuten hier gegönnt.
Am frühen Nachmittag geht es weiter. Noch ein paar grandiose Ausblicke in das Flusstal, dann geht es immer weiter in die Wüste hinein. Die Landschaft ist jetzt komplett flach, einzig die Windhosen geben ein paar Landmarken ab. Diese sind größer als gestern, aber auch weiter von der Straße entfernt. Es wird immer sandiger.
Irgendwann tauchen die Dünen des Erg Chebbi am Horizont auf. Dann sind wir auch bald im Ort. Im Ortskern überlegen wir erst einmal bei einem guten Kaffee und Orangensaft, wie es weiter gehen soll. Wir wollen es jetzt wieder etwas komfortabler haben als letzte Nacht. Natürlich liegt an so einem Touri-Hotspot ganz schnell ein Angebot auf dem Tisch. Hotel mit Pool und Klimaanlage, Abendessen und Frühstück, Jeepausflug zu den lokalen Sehenswürdigkeiten und Sonnenuntergang auf den Dünen: Hier weiß man, dass der gemeine Tourist das rundum Sorglospaket wünscht.
Nächste Station ist optional, eine Teezeremonie bei Nomaden steht auf dem Programm. Wir lehnen dankend ab. Dann wird die Luft aus den Reifen gelassen und es geht ab in den Sandkasten. Schon erstaunlich, was so alles mit dem Jeep geht, nur Achterbahn fahren ist schöner. Die Sonne geht langsam unter und wir machen Stopp auf einer Düne. Ich kann noch etwas höher klettern bis auf den Kamm, natürlich mit ein paar Kilo Sand in den Schuhen. Oben pfeift der Wind recht heftig, und beim Fotografieren weht es tatsächlich meine Mütze runter. Nichtsdestotrotzz gelingt die anschließende Rettungsaktion mit Hilfe weiterer Anwesender, Glück gehabt.
Da der Preis aber durchaus akzeptabel ist, schlagen wir nach Besichtigung der Anlage und Aushandlung der ja schon eingepreisten Rabatte zu. Die Aussicht auf jede Menge Wasser am Körper und angenehme Temperaturen zieht.
Der Jeepausflug führt zunächst an einen See. Mitten in der Wüste schon ein Unikum. Anschließend geht es zu den Mascara-Minen. Hier werden Baryt und Blei gewonnen. Dass das alles auf den Augen landen soll, kann ich aber irgendwie nicht so recht glauben.
Beim Start auf dem Weg zurück noch ein kurzer Adrenalinstoß, als unser Fahrer den an der Steilkante geparkten Jeep einfach den Abgrund hinunter stürzt. Kurze Zeit später sind wir zurück am Hotel.
Das Abendessen gibt erst erst um neun Uhr, der üblichen marokkanischen Zeit. Wir wurden bisher immer wie Aliens angeguckt, wenn wir das schon um sieben haben wollten. Vorher war gar nichts möglich. Es gibt ein reichhaltiges Buffet, mein Favorit ist der Ratatouille mit ziemlich scharfer Harissa. Dazu Lamm-Tagine und jede Menge Oliven. Ich bin mit dem Abend wieder versöhnt
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| Tagesetappe: | 147 km | von | Errachidia N31° 55.226' W4° 25.300' |
nach | Merzouga N31° 5.160' W4° 0.527' |
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| Gesamtstrecke: | 3163 km | |||||||
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