Die Nacht war ruhig und unter den dicken Decken auch kuschelig warm. Draußen sind es tatsächlich 4°C. Wie kann man in einer solchen Gegend, in der im Winter die Straßen wegen des Schnees gesperrt werden, die Häuser ohne Heizung bauen? Die nicht ganz überzeugende Antwort unseres Gastgebers ist nur: "Wir sind das gewohnt."
Dafür gibt es das reichhaltigste Frühstück seit langem. Sogar der Kaffee ist ausgezeichnet. Da sich dadurch die Abfahrt etwas verzögert, ist schon klar, dass wir es nicht bis nach Fès schaffen werden. Als Entschädigung sind es bei der Abfahrt bereits 10°C.
Aber die Sonne scheint und somit sind das gefühlt schon noch mehr. Es geht weiter durch die Berge, rechts und links der Straße stehen Esel und auf ihr gelegentlich Schaf- oder Ziegenherden. Die Straße ist gut, die Herausforderung ist lediglich, den Weg zwischen den Kratern zu finden. Die Winter haben hier ganze Arbeit geleistet, und geflickt wird grundsätzlich nichts. Entweder alles neu oder gar nichts. Letzteres also hier.
Wir kommen durch kleine Ortschaften, hier hat die Straße oftmals Offroad-Charakter. Anscheinend müssen die Bewohner das selbst in die Hand nehmen, was natürlich finanziell unmöglich ist. Aber man hat das Gefühl, das sie den Aliens, die durch Ihre Dörfer brettern, durchaus freundlich gesinnt sind. Die Männer grüßen, die Kinder winken oder signalisieren, wir sollen die Motoren aufheulen lassen (was wir natürlich nicht tun), und die Berberfrauen in ihren bunten Kleidern und großen Hüten ignorieren einen (oder tun zumindest so).
Wir halten mitten in der Pampa an einem bunt bemalten Café. Der Besitzer hat alle möglichen Flaggen aufgemalt und aufgestellt. Ich muss mir seinen kleinen Laden ansehen, der voll ist mit Einmachgläsern mit undefinierbaren Inhalt. Kaffee hat er nicht, aber natürlich Tee und Mineralwasser. Ungefragt legt er ein paar Packungen Kekse mit auf den Tisch. Als wir aufbrechen und bezahlen wollen, winkt er ab. Das sei alles gratis. Als wir aber doch auf die Bezahlung bestehen, sagt er, wir können geben, was wir wollen.
Es kommen noch ein, zwei Pässe, dann geht es abwärts. Eine letzte fantastische Aussicht über die Ebene, auf der es dann Richtung Norden geht. In ihr liegt noch ein großer Stausee, hier machen wir eine Pause. Ebenso eine Familie mit zwei Kindern. Das Mädchen kann sich gar nicht losreißen von den Motorräder. Auch ein marokkanisches Pärchen mit einer Yamaha steht hier. Als sie da einmal den Gasgriff aufziehen darf und der Motor aufheult, kollabiert sie fast vor Glückshormonen. Die Eltern nehmen's gelassen.
In Azrou ca. 80km vor Fès bleiben wir erst einmal. Hier soll es ein richtiges Hotel geben. Es ist auch auf der Karte verzeichnet, nur die dorthin führenden Straßen existieren nicht. Nach einigen Fehlversuchen finden wir eine real existierende und tatsächlich auch das Hotel. Es ist eigentlich wohl eine Technikerschule, aber die Zimmer sind groß und mit allem ausgestattet, was man braucht. Nur zu essen gibt es nichts, da muss heute mal der Lieferservice ran. Wir sind wieder im Stadtleben angekommen.
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| Tagesetappe: | 309 km | von | Agoudal N32° 0.846' W5° 29.026' |
nach | Azrou N33° 26.321' W5° 13.873' |
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| Gesamtstrecke: | 4773 km | |||||||
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