Desert Storm 2026        
Tag 10 - 28.04.2026

On the road again

Heute wollen wir gen Westen fahren bis Errachidia. Da uns allseits von der eigentlich gesperrten Militärpiste entlang der algerischen Grenze abgeraten wird, entscheiden wir uns für den Umweg über Buarfa. Die Straße führt zunächst in die Berge, die sich dann aber mehr und mehr nach rechts und links zurückziehen.

Buarfa selbst bietet nicht allzu viel besonderes, so dass wir nach einer kurzen Pause weiterziehen. Die Landschaft wird flacher und trockener, bis die Berge nur noch im Dunst am Horizont zu erahnen sind. Gelegentlich ziehen Windhosen mit aufgewirbelten Sand über die Straße. Wenn sie einen erwischen, wird man ordentlich durchgeschüttelt. Einmal quert eine mindestens 50 cm lange Echse die Straße, erweist sich aber fotoscheu.

Der Tag beginnt wieder gut gestärkt
Der Tag beginnt wieder gut gestärkt
Kurze Pause im Nichts
Kurze Pause im Nichts

Das Thermometer pendelt sich bei 28 °C ein und die Sonne hat den fast wolkenlosen Himmel für sich alleine. Irgendwann taucht eine verlassen wirkende Tankstelle auf. Zumindest gibt es hier etwas Sonnenschutz zur Mittagspause. Da Jürgen tatsächlich noch deutsches Vollkornbrot und eine Mettwurst dabei hat, jetzt gibt es mal wieder was richtig herzhaftes.

Ca. 70 km vor Errachidia etwas Abwechselung: Eine Straßenkreuzung. Mit einer Art Kiosk und ein paar Bäumen. Wir nennen es mal eine Raststätte. Die Bäume tragen kleine rote Beeren. Es sind tatsächlich die Beeren, die bei uns als Gewürz verwendet werden. Der Kioskbesitzer kann gar nicht glauben, das man so etwas essen kann.

Auf dem letzten Stück werden rechts und links der Straße große Plantagen von Dattelpalmen und Olivenbäumen angelegt. Auch wenn die Pflanzen genügsam sind, etwas Wasser werden sie schon brauchen. Da immer mal wieder ein Feld mit älteren Palmen auftaucht, scheint es ja zu klappen.

In Errachidia sind wir schnell in der Nähe der Unterkunft. Adresse und Markierung auf der Karte sind selbstverständlich unterschiedlich, aber nicht weit auseinander. Das Personal einer Mopedwerkstatt kennt in dem Stadtteil jemanden, der Englisch spricht. Und siehe da, unser B&B ist gleich um die Ecke.

Wir werden bereits erwartet. Walimm und Fatimsrah sind ein nettes,junges paar, das ihr halbes Haus zimmerweise vermietet. Nachdem das Auto aus der Garage geholt, die Motorräder dort untergebracht und wir etwas erfrischt sind, gibt es - natürlich - Tee, Kekse, und jede Menge andere Leckereien. Unter anderem große Krapfen, ein grobes Pulver aus Trockenfrüchten und Nüssen und - man glaubt es kaum, mal nicht süß - ein helles, ober grobes Brot mit Schmelzkäse. Alles in allem eine etwas merkwürdige Kombination, aber lecker.

Bis zum nächsten Ort ist's nicht mehr weit
Bis zum nächsten Ort ist's nicht mehr weit
Mittagspause
Mittagspause

Die Zimmer sind einfach, aber zweckmäßig, und auf drei Etagen verteilt. Die Dusche hat diesmal gar keinen Duschkopf mehr und nur kaltes Wasser. Wolfgangs Zimmer ist von der Dachterasse aus zu erreichen und daher temparaturmäßig grenzwertig. Es soll sich aber abkühlen, außerdem bietet man ihm an, andernfalls im Wohnzimmer zu schlafen. Was er dann am späten Abend auch noch machen wird. Ich benutze die Dachterasse zum Aufhängen der Wäsche, die ist dann morgen garantiert trocken.

Die Verständigung mit den beiden ist etwas schwierig. Ihre Französischkenntnisse bewegen sich auf unserem Niveau (das liegt bei Null oder etwas darunter), andere Fremdsprachen sind, wie der Name schon sagt, fremd. Was der Google Übersetzer zwischen Deutsch und Arabisch vermittelt, ist manchmal auch etwas putzig. Trotzdem macht Walim eine Stadtrundfahrt mit uns, wobei er uns auch zu allerlei Erledigungen mitnimmt. Schließlich hat er sich extra von der Arbeit freigenommen, um seinen Gästen etwas zu bieten. Errachidia hat knapp 100000 Einwohner, hier ist schon etwas los. Zum Schluss fahren wir noch zu einem Stausee außerhalb der Stadt.

Wo ein Baum ist, ist auch eine "Raststätte"
Wo ein Baum ist, ist auch eine "Raststätte"
Full Service unterm Rote Beeren Baum
Full Service unterm Rote Beeren Baum

Wir sind den ganzen Tag durch x Checkpoints gekommen und immer durchgewunken worden, jetzt werden wir kontrolliert. Der nagelneue SUV scheint wohl interessant zu sein. Interessant ist auch, wieviel Papierkram darin mitzuführen ist. Da wir alle unsere Pässe im B&B liegengelassen haben, sitzen wir muksmäuschen still daneben und hoffen, dass wir nicht angesprochen werden. Klappt.

Es beginnt bereits zu dämmern und im Nu ist es dunkel. Also wieder zurück. Der abschließend vorgesehene Besuch im Supermarkt ist dann der Besuch in einem ganz kleinem Laden, in den man eigentlich nur eine Schritt eintreten und dann rückwärts wieder raustreten kann. Für den geplanten Kauf von Wasser reicht es.

Errachidias Stausee in der Dämmerung
Errachidias Stausee in der Dämmerung
Etappe Tag 10  
Tagesetappe: 380 km   von Figuig
N32° 5.546'
W1° 13.794'
  nach Errachidia
N31° 55.226'
W4° 25.300'
Gesamtstrecke: 3016 km
 
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