Desert Storm 2026        
Tag 14 - 02.05.2026

Die Nacht war grausam. Ich habe Halsschmerzen, muss wohl gestern immer mit offenem Mund staunend durch die Gegend gefahren sein. Außerdem hat die Hündin des Hauses andauernd alle verbellt, die sich zu nahe an ihre vier Welpen gewagt haben.

Der Morgen ist frisch, 15°C und keine Wolke am Himmel, aber etwas dunstig. Wir kommen gut voran umso weiter wir nach Westen kommen, umso grüner wird es. Die Wüste haben wir nun hinter uns gelassen Es stehen wieder Bäume an den Berghängen und auf die Felder sind grün.

Wie überall: Die Jugend interessiert sich für die Motorräder
Wie überall: Die Jugend interessiert sich für die Motorräder
Tizi N´Test Nordrampe
Tizi N´Test Nordrampe

10 km vor der RN7, die uns über den Tizi N´Test nach Marrakech führen soll, wird die Straße zur Baustelle. Tiefe Schotterpassagen, Sand und Spuren im losen Untergrund machen das Fahren nicht gerade zum Vergnügen. Wir sind froh als wir die RN7 erreicht haben und machen erst einmal Pause. Das gröbste soll vorüber sein, so denken wir. Wir ahnen nicht, was uns noch bevorsteht.

Nach 5 km sind wir am Fuße des Atlas. Jetzt geht es nur noch hoch. Aber es heißt schon wieder: Baustelle. Und das bedeutet hier: Straße wegreißen und neu machen im laufenden Betrieb. Und zwar die gesamten 100 km der Passstraße. Immer wieder müssen wir anhalten, weil irgendwelche Bauarbeiten den Weg versperren. Der durch die Fahrzeuge aufgewirbelte Staub lässt manchmal nur eine Sicht von ein paar Metern zu. Gelegentlich wird der Boden gewässert, der dadurch erzeugte Schlamm macht es aber auch nicht besser.

Einer der vielen Erddrutsche
Einer der vielen Erddrutsche
Warten oder Umeitung nehmen?
Warten oder Umeitung nehmen?

Hinzu kommt, dass wir durch das Epizentrum des Erdbebengebietes von 2023 fahren. Dadurch wurde die Straße immer wieder durch Erdrutsche blockiert, an denen einfach nur ein schmales Stück zur Umfahrung angelegt wurde.

Letztendlich bringen wir aber auch das hinter uns. Fahrer und Maschinen sehen aus, als wären sie einmal durch den Schlamm gezogen. Nun geht es hinein nach Marrakech. Großstadtverkehr der feinsten Art. Immer ein paar Fahrspuren mehr in der Praxis, als auf der Straße aufgezeichnet sind. Rechtsabbieger ordnen sich ganz links ein (oder auch gerne mal auf der Gegenfahrbahn), um dann plötzlich quer über alles Fahrspuren zu schießen und abzubiegen. Gleiches gilt natürlich auch für Linksabbieger umgekehrt. Praktisch sind auch die Zeitangaben an der Ampel, wie lange die Rotphase noch andauert. Dann kann man schon mal ein paar Sekunden, bevor es grün wird, Vollgas geben und sichert sich in dem Gemenge, das dadurch auf der Kreuzung entsteht, die Poleposition. Die beliebten mehrspurigen Kreisverkehre haben eine ganz eigene Dynamik. Am besten kommt man durch, wenn man nicht nach rechts und links guckt, sondern einfach drauflos fährt, egal was passiert. Irgendwie scheinen sie ja doch alle aufeinander zu achten.

Stausee im Atlas
Stausee im Atlas
Der ÖPNV tut hier, was er kann.
Der ÖPNV tut hier, was er kann.

Und wir kommen tatsächlich unbeschadet an dem Ort an, wo das Riad sein soll. Nur dass da mal wieder nichts zu erkennen ist. Nach einigen WhatsApp-Nachrichten und Telefonaten kommt eine Frau, die uns eines der Häuser aufschließt. Unten Wohnzimmer, Esszimmer und Küche, darüber in jeder Etage jeweils ein Schlafzimmer mit eigenem Bad. Ich falle Tod ins Bett, die anderen beiden wollen in der Stadt noch etwas zu Essen suchen.

  Etappe Tag 14
Tagesetappe: 247 km   von Taliouine
N30° 31.540'
W7° 54.302'
  nach Marrakech
N31° 38.344'
W7° 58.771'
Gesamtstrecke: 3979 km
 
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