Heute mal nur ein kleines Stückchen fahren - auch mal ganz angenehm. Das Frühstück fällt etwas karg aus, dafür gibt es von dem guten Kaffee einen Nachschlag. Außer uns sind nur noch zwei deutsche Studenten im Hotel. Der eine - man glaubt es kaum - aus Wadersloh.
Nachdem noch ein paar Zahlungsdifferenzen bezüglich des Abendessens geklärt sind, geht es gemütlich los. Wir sind wieder in einer ganz anderen Welt. Die durchweg gute Straße führt durch einen großen Wald, Mischwald aus Zeern und im Vorbeifahren nicht zu identifizierenden Laubbäumen. Auch in den Orten sind die Straßen von großen Laubbäumen gesäumt, die gerade in hellem grün zu sprießen beginnen.
Unser Apartment ist tatsächlich leicht zu finden. Wir müssen noch etwas warten, bis wir rein können, und machen erst einmal im nahegelegenen Café Mittag. Die ganze Stadt macht einen sehr gepflegtenund gut organisierten Eindruck. Man hat eher das Gefühl, in einer südeuropäischen Großstadt zu sein, als in Marokko.
Es kommt ein sehr hektischer junger Mann, der uns erklärt, wie man mittels eines Codes den Schlüssel bekommt. Mitzukommen ins Apartment hat er keine Zeit, bei Fragen gibt es ja WhatsApp und Telefon. Als wir in die Wohnung kommen, werden von der Größe fast erschlagen. Ein riesen Saal tut sich als Wohnzimmer auf, sogar mit Kamin. Eine große Küche mit Vollausstattung, ein extra Flur zu den Schlafzimmern, zwei Bäder. Für die Wohnung braucht man eigentlich ein Navi.
Nachdem die Duschen ausprobiert sind und die frische gewaschene Wäsche auf der Leine hängt, fahren wir mit dem Taxi zur Medina. Die ist für einen späten Nachmittagsspaziergang doch etwas zu weit entfernt. Als wir uns nach dem Preis erkundigen wollen, zeigt der Taxifahrer ganz empört auf sein Taxameter. Der letztendlich zu zahlende Betrag ist absolut lächerlich und dürfte nicht einmal die Spritkosten decken. Die Fahrt an sich ist dafür recht amüsant. Taxifahrer haben überall ihre eigenen Regeln und Vorstellungen vom Straßenverkehr. Interessant, das mal aus der Innenperspektive zu sehen. Eigentlich müsste es ständig an irgendeiner Ecke nach zerknautschendem Blech klingen. Aber nichts dergleichen passiert.
.
In der Medina herrscht ziemliche Leere, die meisten Geschäfte sind geschlossen. Erst jetzt wird uns klar, dass wir Freitag haben. Das hält aber nicht die zahlreich vorhanden Schlepper ab, uns zu allen mögliche Stellen führen zu wollen. (Komisch, in Marrakech gab es die nicht.) Die erweisen sich manchmal als ziemlich hartnäckig. Beliebtes Ziel sind vor allen Dingen die Gerbereien, die scheinen also auch freitags zu arbeiten. Wir wollen uns das aber nicht antun, sondern lieber etwas durch die Gassen schlendern. Unsere Mägen sind ja bisher problemlos mit der Kost hier klargekommen. Da wollen wir nichts durch geruchstechnische Experimente durcheinander bringen. Das begreifen die Schleppern natürlich überhaupt nicht.
Ansonsten wird man aber kaum zum Betreten der Läden oder zum Kauf genötigt. Natürlich will jeder Ladenbesitzer einen kurzen Smalltalk halten und seine drei bekannten Worte in welcher Fremdsprache auch immer anbringen. (Die Renner sind momentan "Deutschland, alles klar." und "Ich war in München".) Alles in allem läuft das aber sehr unspektakulär ab.
Nachdem die Beine etwas müde werden, setzen wir uns in ein Straßencafé am Eingang der Medina und beobachten das mittlerweile zunehmende Treiben. Den Tee gibt es hier statt mit Minze auch mit Eisenkraut als durchaus annehmbare Alternative. Wir müssen eine unschöne Szene mitansehen, als ein Junge, der Taschentücher an die Gäste verkaufen will, unsanft zurechtgewiesen wird. Der arme Kerl versucht es dann verzweifelt erfolglos auf der Straße weiter. Die sozialen Unterschiede - vor allem in der Stadt - sind in diesem Land wirklich krass.
Als wir fast schon wieder in unser Apartment zurückfahren wollen, füllt sich der Platz vor der Medina und es erklingt Musik aus mehreren Ecken. Die Menschen scharen sich in großen Trauben um Musikgruppen, Theatergruppen und allen möglichen Darbietungen und Spielchen. Das Ganze hat so eine Art Festivalcharakter. Ein wenig erinnert es aber auch an den Djemaa el-Fna, nur hier wirkt das Ganze authentischer. Außer uns scheinen keine Touristen hier zu sein und die Menschen nehmen regen Anteil am Geschehen. Niemand geht rum und sammelt Geld. Das Ganze hat einen unwahrscheinlich friedlichen Charakter, auch wenn es ohrenbetäubend laut ist. Ein schöner Tagesabschluss.
![]() |
||||||||
| Tagesetappe: | 92 km | von | Azrou N33° 26.321' W5° 13.873' |
nach | Fès N34° 2.127' W5° 0.352' |
|||
| Gesamtstrecke: | 4865 km | |||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |








