Desert Storm 2026        
Tag 18 - 06.05.2026

Unser Dorf am Morgen
"Unser" Dorf am Morgen

Die Nacht war besser als erwartet. Alle hatten das Gefühl, kaum zu schlafen, tatsächlich war dem aber nicht so. Der Tag beginnt klar und frisch. Und mit gekochten Eiern zum Frühstück. Der Rest ist etwas schmal, der Brotberg ist aber auch wieder da.

Aufgrund der Ratschläge des Führers der Italienerin (der übrigens so eine Art Englisch spricht und für uns mit der Familie einiges regeln konnte) wird die Route noch etwas feinjustiert. So bekommen wir auf dem Weg zur Dades-Schlucht noch einen schönen Pass unter die Räder. Nach Piste ist uns momentan nicht mehr so recht. Aber die Berge sind phantastisch.

In der Schlucht selbst fahren wir bis zum Aussichtspunkt, drehen dann aber um, um die Hauptstrecke zur Todra-Schlucht zu nehmen. Dort kann gibt es keine Aussichtspunkte, man kann nur unten in der Schlucht fahren. An der schmalsten Stelle ist touristisch der Bär los. Fährt man weiter in die Schlucht rein, ist plötzlich absolute Ruhe. Währen sich im Dades-Tal noch überall Hotels, Restaurants und Cafés aneinanderreihen, ist hier gar nichts mehr.

Frühstück in den Bergen
Frühstück in den Bergen
Dades-Schlucht
Dades-Schlucht

Wir wollen kleinere Brötchen backen und buchen drei Zimmer in einem Riad 75 Kilometer hinter der Todra-Schlucht. Auf dem Weg dorthin regnet es tatsächlich ein bisschen, das erstemal seit wir in Marokko unterwegs sind. Waren die Straßen heute bisher insgesamt gut, wird es jetzt wieder normal, das heißt es gibt immer wieder Unterbrechungen mit fehlendem oder völlig desolatem Belag. Aber das sind wir ja mittlerweile gewohnt. Auch eine Flussdurchfahrt hat es heute wieder, diesmal darf ich die Wassertiefe ausmetern. Der Fluss hat eine ziemlich starke Strömung und eine verdächtig braune Farbe. Ich beschließe, die Sache ebenfalls mit ordentlich Dampf anzugehen. Was dann hoch spritzt, ist eigentlich schon kein Wasser mehr, sondern purer Schlamm. Ich spüre, dass die Maschine dadurch ordentlich gebremst wird. Zum Glück habe ich vorher schon einen kleinen Gang einsortiert und jetzt gibt es nur noch eins: Gas geben. Die Pampe spritzt mir über die Scheibe ins Gesicht und durch alle Öffnungen im Motorrad, die eine Verbindung nach unten haben. Aber ich komme am rettenden Ufer an. Nach dieser Dusche erübrigt sich jede weitere Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Hochdruckreinigern während der Tour.

Bleibt noch zu erwähnen, dass die letzten 15km mal wieder Baustelle sind. Aber heute sind wir ja früh dran und haben Zeit. Das Riad ist aüßerst geräumig, die Zimmer groß und mit allem notwendigen ausgestattet. Sogar mit Heizlüftern, die werden wohl auch notwendig sein, für morgen früh sind 4°C vorausgesagt und es ist jetzt schon ziemlich frisch.

Der Besitzer ist ein junger, ziemlich gut Englisch sprechender Mann, der leider nur meint, dauernd irgendwelche Witzchen reißen zu müssen. Als Entschädigung gibt es erst einmal - natürlich - Tee und dann darf sich jeder eine Tagine aussuchen. Lamm, Huhn, Fleischbällchen, sogar vegetarisch, alles individuell möglich.

So müssen Straßen aussehen
So müssen Straßen aussehen
Todra-Schlucht
Todra-Schlucht

Wir verkriechen uns unter unsere Decken. Morgen wollen wir Richtung Fès. Ob wir das schaffen, wissen wir nicht. Ist auch egal. Wie schrieb doch Miriam Spies:

"Reisen in Marokko kann unglaublich anstrengend sein, wenn am zu einer bestimmtem Zeit auf eine bestimmte Weise an einem bestimmtem Ort sein will. Lässt man sich aber einfach rückwärts in die Strömung fallen und vertraut darauf, dass sie einen wieder an Land spülen wird, dann geschehen die wunderlichsten Dinge: Zahnräder greifen ineinander und setzen Dinge in Bewegung, deren Existenz man sich nicht mal bewusst war."

  Etappe Tag 18
Tagesetappe: 238 km   von Ameskar
N31° 30.172'
W6° 15.997'
  nach Agoudal
N32° 0.846'
W5° 29.026'
Gesamtstrecke: 4464 km
 
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